Mittwoch, 7. Juni 2017

Halbe Sachen

Hallo,

auch wenn ich gerade in Elternzeit bin und mich mehr der Familie und einigen häuslichen Arbeiten zu Hause widme versuche ich das laufen nicht zu vernachlässigen und nahm auch an einem so tollen Lauf teil dass ich davon berichten muss.
Samstag 27. Mai. Das Thermometer zeigt bereits morgens um 7 Uhr Temperaturen bei denen man am liebsten den ganzen Tag im Wasser wäre. Aber ich setzte mich ins Auto und fahre eine gute Stunde bis nach Lichtenstein. Nein, nicht das Land in den Alpen. Sondern ein Ort auf der Schwäbischen Alb. Hier soll heute der Lichtenstein Trail Marathon und Halbmarathon stattfinden. Für den Marathon bin ich gemeldet. Gute 45 km und 2000 HM sind zu bewältigen. Für den halben immerhin noch 22 km mit 1050 HM. Würde mir heute auch reichen als ich um 10 Uhr am Start stehen. Gerade weil es mich freitags ordentlich erwischt hat. Starker Husten und eine brennende Lunge ließen mich schon zweifeln überhaupt zum Start zu fahren. Aber probieren kann man es ja mal; so mein Gedanke.
Schon nach 2 Kilometer und dem ersten heftigen Anstieg weiß ich das ich mich verkalkuliert habe am heutigen Tag. Zwar gibt es kein Zeitlimit aber nur am Husten macht das Laufen auch keinen Spaß mehr. Naja, erst einmal die wunderbare Strecke genießen so gut das geht.
Hier auf der Alb gibt es eben keine Steigungen mit mehreren hundert Höhenmeter am Stück sondern immer wieder kleine, aber steile Anstiege die einem die Kraft aus den Beinen ziehen. Und was für Trails. Wahnsinnig schön. Weicher Waldboden gemischt mit Steinen und Wurzeln schlingeln sich durch dichte Wälder und geben immer wieder einen Ausblick auf's Tal preis.  Zu schön um nach nicht einmal 10 km schon aufzugeben. Und außerdem: wie komme ich ins Ziel? Kenne ich mich doch garnicht aus. Erst später sollte es einen Abzweigung bei Km 18 geben an denen die Halbmarathonis direkt abbiegen werden. Diese sind 30 Minuten nach uns gestartet und deswegen will ich auf den schmalen Trails auch nicht umdrehen.
Nach knapp 15 Kilometer dann am Schloss Lichtenstein die erste Verpflegung. Mmmhh, lecker, was es da immer alles gibt. Ich glaube ich würde auch nur wegen dem Essen mitmachen :-) Gestärkt und mit einer handvoll Gummibärchen geht es weiter. Schon da ist mir bewusst ich laufen heute "nur" den halben und entsprechend habe ich meinen Wasservorrat nicht gefüllt. Und so laufe ich und laufe ich. Ein Trail jagt den nächsten und als wir mal für 200 Meter aus dem Wald abbiegen erblinde ich fast weil die Sonne den Kiesboden so hell macht das man nichts mehr sieht.
Aber da geht es schon weiter. Langsam, aber ich laufe noch. Schließlich weiß ich das ich es nicht mehr weit habe. Und so biege ich dann auch bei Km 18 den direkten Weg ab. Nicht als erster an diesem Tag und auch nicht als letzter.
Nun überholen mich auch bereits die ersten drei des Halbmarathons und als ich am Ziel ankomme werde ich als Vierplatzierter vorgestellt doch ich winke schnell ab. Nur noch hinsitzen, ordentlich was trinken und dann ab nach Hause und ausruhen.
Schon zwei Tage später bin ich wieder gesund und mir sicher Lichtenstein hat mich nicht das letzte Mal gesehen. Ob privat oder wieder beim Lauf, egal, einfach herrlich dort.
Nur 2 Tage Dinge sind mir wieder einmal bewusst geworden:
1. Erkältet sollte man es lieber nicht einmal probieren, auch wenn es sehr schade gewesen wäre
und
2. die Sonne und ich werden keine Freunde mehr.



Bis dahin:
Wird noch ein Weilchen ruhig um mich sein

Markus